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Region Nordhessen - Kompetenz in Elektro- und Informationstechnik

Entwicklung der Versorgung der Region mit elektrischer Energie

Versorgung der Stadt Kassel

Eine erste Anregung zur Elektrizitätsversorgung Kassels gab im Jahr 1886 die "Deutsche Edison-Gesellschaft" (DEG), gegründet 1883 und Vorgängergesellschaft der 1887 aus ihr hervorgehenden "Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft" (später AEG). Die Zeit war noch nicht reif für eine Entscheidung, aber im Juli 1990 entschieden sich Stadtverordnete und Stadtrat für die Errichtung einer zentralen Stromversorgung in der Neuen Mühle an der Dennhäuser Straße. Ab 1891 stellte sie das erste Kasseler Elektrizitätswerk dar.

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Die durch Oskar von Miller projektierte Anlage war von ihm für 3.000 Glühlampen ausgelegt und wurde durch die Berliner Firma Siemens & Halske errichtet. Ein Teil der Wasserkraft sollte zur Elektrizitätserzeugung genutzt werden, der andere zum Antrieb der Pumpen der Wasserversorgung der Stadt Kassel - ein technisches Novum der damaligen Zeit.

Zwei Wechselstromgeneratoren mit einer Leistung von je 66 kW zusammen mit einem Dampflokomobil mit 76 kW wurden aufgestellt. Der so erzeugte Wechselstrom mit einer Spannung von 2.200 V gelangte über ein fast fünf Kilometer langes Bleimantelkabel in die Stadt und wurde dort in zwei Stationen in Gleichstrom umgewandelt. In der Festschrift der Städtischen Werke Kassel zum 100-jährigen Jubiläum wird über die Anlage detailliert berichtet.

Der Preis für Strom zur Speisung von Lampen belief sich seinerzeit auf 8 Pfennig für 100 Watt und zur gewerblichen Nutzung auf 4 Pfennig für 100 Watt. Großkunden erhielten je nach Lampenzahl und Brenndauer entsprechenden Rabatt. Der Gebrauch von elektrischer Energie wurde sehr schnell beliebt. Die Anschlusswerte stiegen von 185 kW im Herbst 1891 auf 405 kW im Jahr 1896. Die Stadt entschloss sich aufgrund der angespannten Versorgungslage für ein weiteres Kraftwerk, das direkt in der Stadt auf dem dafür erworbenen Grundstück im Königstor errichtet wurde.

Zur gleichen Zeit entstand neben der öffentlichen Stromversorgung in Wilhelmshöhe in der Hunrodstraße das von Gustav Henkel betriebene "Henkelsche Elektrizitätswerk". Die westlichen Stadtteile wurden so mit Strom versorgt, gleichzeitig beheizte man mit dessen Wärme das "Palmenbad" und ein Gewächshaus. Blockheizkraftwerke sind also keine Erfindung der Neuzeit, sondern wurden auch schon seinerzeit errichtet.

Der seit 1898 elektrisch laufende Straßenbahnverkehr, die Stillstandszeiten der Neuen Mühle durch Hochwasser und der weiterhin drastisch ansteigende Energieverbrauch forcierten die Überlegungen der Stadt, ein weiteres Kraftwerk zu bauen. Selbst die ständigen Erweiterungen im Kraftwerk am Königstor erreichten 1906 bauliche und erzeugungstechnische Grenzen, die nur mit dem Neubau einer Stromerzeugungsanlage zu überwinden waren. Diese wurde 1911 mit zwei Maschinen von je 2 MW auf den Lossewiesen im Stadtteil Bettenhausen realisiert. Von 1914 bis 1938 wurde das Werk wegen des andauernden Netzausbaus ständig erweitert, seine Kapazität vergrößerte sich in den 40 Jahren von 1914 bis 1954 von 4 MW auf 32 MW.

Kennzeichnend für die dreißiger und vierziger Jahre waren das Streben nach Versorgungssicherheit und die Ausweitung des Versorgungsnetzes auf dem Hintergrund der sich verstärkenden Rüstungs- und Industrieproduktion. So wurde beispielsweise der Rüstungsbetrieb Henschel & Sohn mit einer 60 kV-Doppelleitung vom Umspannwerk Sandershausen der mittlerweile entstandenen PreußenElektra versehen. Auch das Industriekraftwerk der Spinnfaser AG trug ab 1936 zur Versorgungssicherheit der Stadt bei und musste nach dem schweren Bombenangriff vom 22./23. Oktober 1943, bei dem das Lossekraftwerk zerstört wurde, Teile der Stadt versorgen.

Nach dem Krieg führte das schnelle Wirtschaftswachstum wie schon in den zwanziger Jahren zu Überlegungen, ein neues Kraftwerk zu bauen. Man entschied sich zum Bau des gemeinsam mit der PreußenElektra errichteten Kraftwerks Kassel an der Dennhäuser Straße mit Braunkohlenfeuerung und einer Leistung von 144 MW. Gleichzeitig wurde mit dem Aufbau eines 60 kV-Hochspannungsnetzes begonnen. Im Jahr 1970 wurde neben der vorhandenen Einspeisung am UW Kraftwerk Kassel der zweite Einspeisepunkt für die Versorgung Kassels in Sandershausen geschaffen.

Das Lossekraftwerk wurde ab 1966 für die Müllverbrennungsanlage umgerüstet. Die Energie des Dampfes der MVA wurde dort mit Hilfe einer Heizturbine und eines Hochdruckdampfkessels in elektrische Energie bzw. in Fernwärme umgewandelt. Erweiterungen und Umbauten schlossen sich sowohl an diesem Standort wie auch im Kraftwerk Kassel an der Dennhäuser Straße bis in die Neuzeit an.

Quelle für Text und Bilder: Festschrift "100 Jahre Strom für Kassel / 1891 - 1991", Städtische Werke Kassel AG


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