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Der Transrapid - Von Kassel in die Welt!


Der Transrapid 08 (Quelle: Transrapid International)

Nachdem seit 1969 im süddeutschen Raum verschiedene Entwicklungslinien für ein berührungsfreies Bahnsystem stattgefunden haben, begannen 1974 bei Rheinstahl Transporttechnik (später Thyssen Industrie AG Henschel) in Kassel in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu einem - zur damaligen Entwicklungslinie - alternativen Konzeptes: der Langstator-Magnetfahrtechnik. In mehr als 175 Jahren hatte sich das Kasseler Traditions-Unternehmen Henschel (später: Thyssen Industrie AG Henschel), aus dem die heutige Gesellschaft ThyssenKrupp Transrapid GmbH hervorgegangen ist, einen weltweiten Ruf als führender Lokomotivhersteller Europas und einer der bedeutendsten der Welt erworben.


Der HMB 2 auf dem Werksgelände in Kassel (Quelle: Transrapid International)

Schon 1976 konnte in Kassel mit dem HMB 2 das erste Personen tragende Langstator-Versuchsfahrzeug in Betrieb genommen werden und bereits 1979 kam diese Technik im weltweit erstmals für den Personenverkehr zugelassenen Fahrzeug Transrapid 05 anlässlich der Internationalen Verkehrs-Ausstellung (IVA'79) in Hamburg zum Einsatz.


Der Transrapid 05 auf der IVA'79 in Hamburg (Quelle: Transrapid International)

In den darauffolgenden Jahren wurde im Emsland zwischen Lathen und Dörpen die weltgrößte Versuchsanlage für Magnetbahnfahrzeuge (TVE) in zwei Bauabschnitten errichtet. Nach der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts unter der Generalunternehmerschaft von Thyssen Henschel, Kassel, steht somit ab 1987 ein Rundkurs mit 31,5 km für den anwendungsnahen Dauerbetrieb zur Verfügung. Das erste für den Hochgeschwindigkeitsverkehr konzipierte Fahrzeug Transrapid 06 erreichte schon 1988 einen Geschwindigkeitsrekord von 412,6 km/h.


Der Transrapid 08 auf der Transrapid Versuchsanlage Emsland (Quelle: Transrapid International)

Nur ein Jahr später erreichte die nächste Fahrzeuggeneration, der Transrapid 07, auf der TVE eine Geschwindigkeit von 436 km/h und im Jahr 1993 unter normalen Betriebsbedingungen 450 km/h. Höhere Geschwindigkeiten sind aufgrund der Anlagenlänge und Auslegung nicht möglich. Bis Ende 2005 wurden auf der TVE mehr als 1 Mio km zurückgelegt und annähernd 600.000 Besucher auf regulären Testfahrten mit Geschwindigkeiten bis 412 km/h befördert. Im Jahr 2000 wurde mit dem Transrapid 08 das erste Anwendungsfahrzeug in Betrieb genommen, allerdings verzichten die Bundesregierung und die DB AG auf die Realisierung der ersten Anwendungsstrecke zwischen Berlin und Hamburg, obwohl schon ein erster Planfesstellungsbeschluss vorlag. Nach diesem Rückschlag wurde in Rekordzeit mit der Flughafenanbindung in Shanghai eine alternative Anwendungsstrecke für dieses innovative Verkehrssystem gefunden und realisiert. Nach nur 2 Jahren Planungs- und Bauzeit fand am 31.12.2002 die "Jungfernfahrt" der Magnetschwebebahn Transrapid auf der weltweit ersten für den kommerziellen Betrieb gebauten Strecke von der Long Yang Road Station in Shanghai zur Station Pudong International statt. An Bord: Der chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji, Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie zahlreiche hochrangige Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft beider Länder. Und nach nur einem weiteren Jahr stellt der Transrapid in Shanghai am 12. November 2003 mit 501 km/h einen neuen Weltrekord für kommerzielle Bahnsysteme auf.


Der Transrapid in Shanghai (Quelle: Transrapid International)

Die Fahrzeit auf dieser 30 km langen Anbindung beträgt weniger als 8 Minuten. Führerlos und auf die Sekunde pünktlich und zuverlässig schweben die Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten bis zu 430 km/h im täglichen Einsatz. Seit der Aufnahme des öffentlichen Betriebs Anfang 2004 wurden bis Mitte 2006 schon über 2,5 Mio km zurück gelegt und bereits über 7 Mio. Passagiere befördert - mit steigender Tendenz. Die erste deutsche Anwendungsstrecke wird derzeit in München als Verbindung vom Hauptbahnhof zum weit außerhalb liegenden Flughafen Franz-Josef-Strauß geplant und befindet sich aktuell in der Planfeststellungsphase. Der Baubeginn ist für Herbst 2007 vorgesehen, die Inbetriebnahme ist für 2011 geplant.


Der Transrapid im Flughafen München (Quelle: Transrapid International)

Ein aktuelles Fahrzeug, der Transrapid 09 mit weiterentwickelter Technik für München, wird derzeit in Kassel gebaut und soll Anfang 2007 auf der TVE im Emsland in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus werden weltweit schon seit vielen Jahren mögliche Anwendungsstrecken (aktuell: USA, Niederlande, Katar, England) mit dem Transrapid untersucht und diskutiert, von denen jedoch bislang keine vor einer absehbaren Realisierung steht. Als wahrscheinlichste zweite Anwendungsstrecke erscheint allerdings die Verlängerung der ersten Strecke in China von Shanghai ins 180 km entfernte Hangzhou. Die Verhandlungen zwischen dem deutschen Konsortium von Siemens und ThyssenKrupp mit der chinesischen Seite sollen noch im Jahr 2006 zum Abschluss gebracht werden, da die Strecke schon zur EXPO 2010 einsatzbereit sein soll.

Text (c) Dr. Michael Raschbichler

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